SendGrid oder Mailgun: Gesamtpaket mit Marketing-Teil oder reine Versand-API?

Von Mara Levin · Aktualisiert am 7. Oktober 2026 · Preise und Dokumentation an diesem Tag geprüft

Beide liefern Anwendungs-E-Mails per API oder SMTP aus. Der Unterschied liegt im Drumherum: SendGrid verkauft neben der Email API ein eigenes Marketing-Produkt, Mailgun konzentriert sich auf Senden, Empfangen und Adressprüfung und überlässt Kampagnen einem anderen Werkzeug.

Die kurze Antwort

Nehmen Sie SendGrid, wenn dasselbe Konto Rechnungsmails verschicken und zusätzlich segmentierte Kampagnen fahren soll, wenn Sie dafür einen kostenlosen Einstieg nach Kontakten wollen oder wenn Ihr Unternehmen ohnehin bei Twilio einkauft. Nehmen Sie Mailgun, wenn Sie ausschließlich Systemmails senden und empfangen, einen schlichten Monatspreis bei 10.000, 50.000 und 100.000 E-Mails bevorzugen und Wert auf Inbound-Routing und gestaffelte Protokollspeicherung legen. Entscheiden Sie allein nach dem Preis je E-Mail, gehören Resend und Postmark ebenfalls auf die Auswahlliste.

Die Tarife nebeneinander

Punkt SendGrid Mailgun
EinstiegTestphase der Email API: 100 E-Mails am Tag, 60 TageFree: 100 E-Mails am Tag, 1 Versanddomain, 1 Tag Protokoll
Kleinster BezahltarifEssentials ab 19,95 $ im Monat (Band 50.000 bis 100.000 E-Mails)Basic ab 15 $ im Monat mit 10.000 E-Mails
Mittlerer TarifPro ab 89,95 $ im Monat (Band 100.000 bis 2.500.000 E-Mails)Foundation: 35 $ im Monat für 50.000 E-Mails, erster Monat kostenlos
Oberster TarifPremier, Preis auf AnfrageScale: 90 $ im Monat für 100.000 E-Mails, erster Monat kostenlos
Marketing-ProduktMarketing Campaigns: Gratis-Tarif, dann Basic ab 15 $ und Advanced ab 60 $ im MonatAuf der Preisseite keines genannt
Dedizierte IPEine inklusive bei Pro und PremierEine inklusive bei Foundation (100k) und Scale; jede weitere 59 $ im Monat
Protokoll und Aktivitätsverlauf3 Tage bei Essentials, 7 Tage bei Pro1 Tag bei Free und Basic, 5 bei Foundation, 30 bei Scale

Die SendGrid-Angaben stammen von der Preisseite der Email API und der Preisseite von Marketing Campaigns, die Mailgun-Angaben von der Mailgun-Preisseite samt FAQ zu dedizierten IPs. Alle Beträge in US-Dollar ohne Steuern.

Zwei Produkte unter einem Namen oder ein einziges

Bei SendGrid ist die Preisgestaltung auf zwei Seiten verteilt. Die Email API deckt den Transaktionsversand ab, der Tarifwähler läuft von unter 3.000 bis über fünf Millionen E-Mails. Marketing Campaigns bepreist etwas anderes, nämlich gespeicherte Kontakte und versendete Kampagnen, mit Design- und Code-Editor, Segmentierung, A/B-Tests, Anmeldeformularen und je nach Tarif Automatisierung. Das ist das „Gesamtpaket“: ein Login, ein Anbieter, zwei Zähler auf der Rechnung.

Mailguns Preisseite handelt vom Versand. Sie nennt SMTP-Relay, REST-API, Empfängervariablen, Inbound-Routing und Adressvalidierung, und die FAQ stellt den Umfang klar: „There's no send button in Mailgun.“ Erwartet Ihre Marketingabteilung, sich einzuloggen, ein Segment zu wählen und auf Senden zu klicken, ist Mailgun dafür nicht gebaut. Erwarten Ihre Entwickler dagegen einen einzigen Versanddienst mit vorhersehbaren Monatsstufen, lässt sich Mailgun einfacher durchrechnen als ein Konto mit zwei Zählern.

Preisseite von SendGrid, aufgenommen im Oktober 2026
SendGrid pricing page as of Oct 7, 2026. Source: https://www.twilio.com/en-us/products/email-api/pricing
Preisseite von Mailgun, aufgenommen im Oktober 2026
Mailgun pricing page as of Oct 7, 2026. Source: https://www.mailgun.com/pricing/

Was die Gratis-Tarife heute tatsächlich bieten

Ältere Vergleiche beschreiben SendGrid gern als den Anbieter mit dem Gratisplan, der nie ausläuft. Auf der Seite der Email API steht heute an erster Stelle eine kostenlose Testphase mit 100 E-Mails pro Tag über 60 Tage; danach ist ein Bezahltarif fällig. Der dauerhafte Gratisrahmen liegt bei Marketing Campaigns: bis zu 2.000 gespeicherte Kontakte und 6.000 E-Mails im Monat, einschließlich A/B-Tests, Anmeldeformularen und Automatisierung. Ein kleiner Newsletter kann also bei SendGrid kostenlos bleiben, ein reiner Transaktionsdienst nicht.

Mailguns Free-Tarif hat die umgekehrte Form: 100 E-Mails am Tag ohne genanntes Ablaufdatum, eine eigene Versanddomain, zwei API-Schlüssel, eine Inbound-Route und einen Tag Protokoll. Foundation und Scale beginnen jeweils mit einem kostenlosen Monat, und die FAQ spricht von 30-tägigen Tests für Bezahltarife. Wer als Nebenprojekt ein paar hundert Systemmails pro Tag verschickt, kommt mit Mailguns Free-Tarif länger aus. Wer einen Hobby-Newsletter mit 1.500 Abonnenten betreibt, fährt mit dem kontaktbasierten Gratisplan von SendGrid besser.

Kosten bei 10.000, 50.000 und 100.000 E-Mails

Bei 10.000 E-Mails gibt es auf SendGrid-Seite keinen Preis zu zitieren, weil der Tarifwähler der Email API von unter 3.000 direkt auf 50.000 springt; Mailgun nennt Basic mit 15 $ und 10.000 enthaltenen E-Mails. Bei 50.000 E-Mails steht Essentials „ab 19,95 $“ gegen 35 $ für Foundation. Bei 100.000 E-Mails kostet Scale bei Mailgun 90 $, während sich die beiden SendGrid-Bänder genau an dieser Zahl berühren: Essentials reicht bis 100.000, Pro beginnt bei 100.000 ab 89,95 $. Den exakten Betrag für Ihren Funktionsumfang liefert dort nur der Tarifwähler.

Eine Rechnung lohnt sich bei Mailguns Staffel. Basic berechnet für zusätzliche E-Mails „ab 1,80 $ je 1.000“, 30.000 E-Mails kosten dort also 15 $ + 20 × 1,80 $ = 51 $. Foundation mit 35 $ und 50.000 enthaltenen E-Mails ist ab etwa 21.000 E-Mails im Monat günstiger (15 $ + 11,1 × 1,80 $ ≈ 35 $). Beim Überschreiten kostet Foundation „ab 1,30 $ je 1.000“: Bei 100.000 E-Mails ergibt das 35 $ + 50 × 1,30 $ = 100 $ und damit mehr als die 90 $ von Scale. Die praktische Regel bei Mailgun lautet deshalb, rechtzeitig in die nächste Stufe zu wechseln, bevor die Überschreitungszeile lang wird. SendGrid sagt auf seiner Seite sinngemäß dasselbe: Wer ständig an die Grenze stößt, fährt mit dem nächsten Tarif meist besser als mit Zusatzgebühren.

Einen eigenen Preis je zusätzlicher E-Mail nennt SendGrid auf der Seite nicht. Es verweist auf mögliche Steuern und Überschreitungen und auf einen eigenen Hilfeartikel zu den Überschreitungssätzen. Lesen Sie ihn, bevor Sie einen Tarif nach dem Durchschnittsmonat statt nach dem stärksten Monat auswählen.

Gemeinsame oder dedizierte IP

Mailguns FAQ trennt beides sauber: Manche Kunden sind mit gemeinsam genutzten IPs gut bedient, andere wollen dedizierte, um ihren Ruf selbst zu steuern. Eine dedizierte IP ist laut Seite im Tarif Foundation mit 100k und bei Scale enthalten, jede weitere kostet 59 $ je IP und Monat. Die Funktionstabelle zeigt dedizierte IPs ab 50.000 E-Mails als zugänglich und ab 100.000 als enthalten; Scale ergänzt IP-Pools.

SendGrid legt die dedizierte IP in den Tarif selbst: Pro und Premier enthalten je eine, weitere sind zubuchbar, und die Seite führt IP-Pooling und automatisiertes Aufwärmen unter den Zustellbarkeitsfunktionen. Praktisch heißt das: Bei Essentials senden Sie über gemeinsame Infrastruktur, und der Sprung zu Pro hat nicht nur mit dem Volumen zu tun, sondern auch mit der eigenen IP. Ob sie hilft, hängt davon ab, ob Sie genug und gleichmäßig genug senden, um einen eigenen Ruf aufzubauen. Darunter ist ein vom Anbieter gepflegter gemeinsamer Pool meist die risikoärmere Wahl.

E-Mails empfangen und Webhooks absichern

Auf der Eingangsseite dokumentiert SendGrid einen Inbound-Parse-Webhook, der eingehende Nachrichten samt Anhängen zerlegt und an eine von Ihnen eingerichtete URL schickt; die Preisseite zählt ihn zu den Analysefunktionen. Mailguns Modell sind Routes: Eine Route besteht aus einem Filter und einer Aktion, sie werden in Prioritätsreihenfolge ausgewertet, und die Aktionen heißen forward(), store() und stop(). Sie legen sie im Control Panel oder über eine Routes-API an. Wie viele Routen Sie bekommen, hängt vom Tarif ab: eine bei Free, fünf bei Basic, voller Zugriff ab Foundation.

Bei Event-Webhooks zählt SendGrid die Endpunkte je Tarif: einer in der Testphase, zwei bei Essentials, fünf bei Pro und Premier. Wer getrennte Endpunkte für Zustellereignisse, Missbrauchsmeldungen und das Data Warehouse möchte, stößt bei Essentials schnell an die Grenze. Mailguns Preisseite führt Webhooks als Funktion ohne Endpunktzahl je Tarif auf; prüfen Sie die Dokumentation für Ihren Aufbau.

Beide Anbieter erlauben die Prüfung des Absenders. SendGrids Event Webhook lässt sich mit einem privaten und öffentlichen Schlüssel signieren, die Signatur steht im Header X-Twilio-Email-Event-Webhook-Signature, oder mit OAuth 2.0 absichern. Mailgun signiert jeden POST mit einem HMAC-SHA256 über timestamp + token, berechnet mit einem kontoweiten Webhook Signing Key, der nicht mit dem API-Schlüssel identisch ist; die Dokumentation rät dazu, Tokens zwischenzuspeichern, um Wiederholungen abzuweisen. Details stehen im Sicherheitsleitfaden zum Event Webhook von SendGrid und auf Mailguns Seite Securing Webhooks.

Vorlagen

SendGrids Dynamic Templates kennen Versionen, einen Design Editor und einen Code Editor; die Daten übergeben Sie in personalizations.dynamic_template_data, in der Vorlage werden sie mit Handlebars angesprochen. Der Tarif Pro ergänzt das Testen dieser Vorlagen. Mailgun listet ab Foundation einen „Email template builder and API“. Stammen Ihre Vorlagen aus MJML oder React Email, nehmen beide Anbieter fertiges HTML entgegen. Der Unterschied liegt darin, ob der Anbieter die Vorlage speichern und versionieren soll.

SendGrid passt, wenn …

  • Marketing und Entwicklung bei einem Anbieter zusammenlaufen und Sie für Kampagnen einen kostenlosen, kontaktbasierten Start möchten.
  • die dedizierte IP im Tarif Pro enthalten sein soll, statt als Zusatzposten zu erscheinen, und EU-Datenresidenz zu den genannten Funktionen gehört.
  • Ihr Unternehmen bereits einen Vertrag mit Twilio hat und die Abrechnung an einer Stelle bleiben soll.

Mailgun passt, wenn …

  • Sie nur Anwendungs-E-Mails, Inbound-Routing und optional eine Adressprüfung brauchen, mit festen Monatsstufen bei 10.000, 50.000 und 100.000.
  • längere Protokollspeicherung für den Support zählt: 30 Tage bei Scale gegenüber 7 bei SendGrid Pro.
  • Sie US- oder EU-Hosting aus einem Konto wählen wollen, was die Preisseite beschreibt.

Der Wechsel von einem zum anderen

Zerlegen Sie den Umzug in vier getrennte Aufgaben. Erstens: Authentifizieren Sie eine Versanddomain beim neuen Anbieter und lassen Sie den alten parallel laufen, solange beide aufwärmen. Zweitens: Exportieren Sie die Sperrlisten (Bounces, Abmeldungen) aus dem alten Konto und importieren Sie sie vor dem ersten Versand. Drittens: Richten Sie jeden Webhook mit dem neuen Signaturverfahren neu ein, denn eine SendGrid-Prüfung validiert keinen Mailgun-Aufruf. Viertens: Bauen Sie die Eingangsverarbeitung um; aus einem Inbound-Parse-Hostnamen wird eine Mailgun-Route oder umgekehrt. Wie das zum Marketingversand passt, steht im Artikel Transaktionale und Marketing-E-Mails, und den Vergleich, den die meisten Teams danach anstellen, finden Sie unter Postmark gegen SendGrid. Für sehr große Mengen lohnt zusätzlich ein Blick auf die Seite zu hohem Versandvolumen.

Häufige Fragen

Hat SendGrid noch einen dauerhaft kostenlosen Tarif für den Versand?

Für die Email API nennt die Preisseite eine kostenlose Testphase mit 100 E-Mails pro Tag über 60 Tage, ohne Kreditkarte. Einen dauerhaften Gratisrahmen gibt es nur bei Marketing Campaigns: bis zu 2.000 gespeicherte Kontakte und 6.000 E-Mails im Monat. Mailgun nennt für den Free-Tarif kein Enddatum: 100 E-Mails am Tag, eine eigene Versanddomain und einen Tag Protokollspeicherung.

Was ist bei 50.000 E-Mails im Monat günstiger?

SendGrid führt Essentials mit „ab 19,95 $“ für das Band von 50.000 bis 100.000 E-Mails und weist darauf hin, dass der genaue Preis von Volumen und Funktionen abhängt. Mailgun nennt für Foundation 35 $ im Monat bei 50.000 E-Mails, der erste Monat ist kostenlos. Die SendGrid-Zahl ist ein Einstiegspreis; lesen Sie im Tarifwähler den Wert für Ihr Volumen ab, bevor Sie ihn als Rechnungsbetrag behandeln.

Können beide Dienste auch E-Mails empfangen?

Ja. SendGrid dokumentiert einen Inbound-Parse-Webhook, der eingehende Nachrichten an eine von Ihnen gewählte URL schickt. Mailgun arbeitet mit Routes: Jede Route koppelt einen Filter an eine Aktion wie Weiterleiten oder Speichern. Laut Preisseite gibt es eine Route im Free-Tarif, fünf bei Basic und vollen Zugriff ab Foundation.

Woran erkenne ich, dass ein Webhook wirklich vom Anbieter stammt?

Beide signieren ihre Aufrufe. SendGrid kann den Event Webhook mit einem Schlüsselpaar signieren und die Signatur im Header X-Twilio-Email-Event-Webhook-Signature mitschicken, alternativ ist OAuth 2.0 möglich. Mailgun hängt an jeden POST einen HMAC-SHA256 über Zeitstempel und Token, berechnet mit einem kontoweiten Signing Key, und nutzt dieselbe Prüfung für Event-Webhooks und für Routes.

Worauf sollte ich als deutsches Unternehmen vor der Wahl achten?

Klären Sie die Datenregion und den Auftragsverarbeitungsvertrag, bevor Sie Empfängerdaten übermitteln. Mailgun beschreibt auf seiner Preisseite US- und EU-Hosting, SendGrid führt EU-Datenresidenz unter seinen Funktionen. Ob das für Ihren Fall genügt, entscheidet Ihre Datenschutzbeauftragte; dieser Vergleich ersetzt keine Rechtsberatung.